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25.10.2017 Wirtschaftsförderung

Baesweiler hat sich hervorragend entwickelt


(Super Sonntag v. 22.10.2017-Stephan Tribbels)

Dr. Willi Linkens, heute Bürgermeister der Stadt, hat große Anteile daran – die Zeit nach dem Zechen-Ende war alles andere als einfach.

Baesweiler hat viele Jahre mit und von der Steinkohle gelebt. Trotz der zuvor schon Jahre anhaltenden Kohlekrise, der fossile Energieträger war nicht mehr so gefragt und im internationalen Vergleich auch nicht mehr wirtschaftlich zu fördern, waren 1965 noch ca. 3000 Menschen auf der Zeche Carl Alexander beschäftigt. Erst mit Jahresbeginn hatte der Eschweiler Bergwerksverein damals vor über 52 Jahren die letzte noch in Einzelbesitz befindliche Zeche von der Firma Röchling übernommen – auch um in der Krise ein Zeichen für die Kumpel im gesamten Aachener Revier zu setzen. Als die Zeche dann am 30. September 1975 dicht machte, „gab es über und unter Tage noch ca. 2000 Mitarbeiter, die mit Hilfe eines Sozialplans ausschieden oder überwiegend auf Emil-Mayrisch in Siersdorf weiter beschäftigt werden konnten“, ist dem Archiv des Geschichtsvereins Baesweiler zu entnehmen.

„Der Industrie-Standort Baesweiler hatte aufgehört zu existieren. Auf Grund des engen Zusammenhangs mit dem Bergbau fielen zudem im übrigen produzierenden Gewerbe ein Drittel der Arbeitsplätze weg, was dazu führte, dass Baesweiler der Ort in der Region Aachen mit der höchsten Berufsauspendlerquote war. Darüber hinaus litt der Einzelhandel unter dieser Situation. Im Ort kursierte angesichts der wenig aussichtsreichen Lage der bereits eingangs erwähnte Begriff ‚Schlafstadt‘“, fasst Günter Pesler im 50. Mitteilungsblatt des Geschichtsvereins zusammen. Doch es gab schon seit Anfang der 1970er Jahre ein paar neue Gewerbebetriebe in der Stadt. Und daraus sollten durch ein „International Technologie- und Service-Center“, kurz „its“ mehr werden.

„Aber“, erinnert sich der heutige Bürgermeister Dr. Willi Linkens, der sich schon damals um neue Firmen und somit Arbeitsplätze für Baesweiler bemüht hat: „Es gab viele Hürden, zum Beispiel bei dem Versuch Zuschüsse vom Land und Bund für unser ‚its‘ als internationales Gründerzentrum zu erhalten. In der Region war man überaus skeptisch, man traute es uns nicht zu, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. So waren einige Institutionen der Region nicht bereit, sich mit einem kleinen Betrag an der GmbH für unser ‚its‘ zu beteiligen. Es war nicht einfach, die Verantwortlichen im Wirtschaftsministerium zu überzeugen, uns die Fördermittel für das Technologiezentrum zu gewähren, aber wir waren natürlich im Strukturwandel mehrfach belastet, durch die Schließung der Zeche Carl-Alexander und später durch die unmittelbar an Baesweiler angrenzende Zeche Emil-Mayrisch in Siersdorf.“ Dann war das „its“ aber schließlich so erfolgreich, dass das Land Baesweiler sogar die Fördermittel für den dritten Bauabschnitt anbot. Schwierig war es damals für Baesweiler, Kontakte zu möglichen Unternehmen in der Region oder auf Bundesebene oder international zu knüpfen. „Denn Firmen ansiedeln, will grundsätzlich jede Stadt. Es gab einige bedeutende Ansiedlungen aufgrund von großen Anstrengungen, so die Firma Eltro, die wir dann zu Werbezwecken für unseren Standort immer wieder vorgestellt haben.

Der Kontakt zur TH war überaus wichtig und wurde seitdem besonders gepflegt. Internationale Unternehmen anzusiedeln, ist natürlich besonders schwierig. Den ersten Kontakt hatten wir über die regionale Gesellschaft AGIT und die Wirtschaftsförderung des Landes NRW, aber auch in unserer Region gab es große Konkurrenz“, weiß Dr. Willi Linkens. Ein wesentliches Kriterium sei es, die Unternehmen – deutsche oder ausländische – in jeder Hinsicht zu begleiten und Kümmerer zu sein. „Das geht auch dahin, die Verantwortlichen bei ihrem Aufenthalt in der Region mal nach Hause einzuladen. Bei der bedeutenden Ansiedlung der Firma Cook war es dann so, dass ich die amerikanischen Chefs der hier tätigen US-Firmen anrufen und bitten konnte, doch beim Inhaber der Firma Cook von den positive Erfahrungen zu berichten. Deren positive Werbung verbunden mit meiner Video-Botschaft an den Inhaber waren dann ausschlaggebende Argumente im Wettkampf mit 5o anderen Standorten.

Wesentlich ist die Ansiedlung von biotechnologischen und medizintechnischen Unternehmen, die Kontakte konnten durch die von Dirk Pfeifferling hervorragend organisierten Biotechnologie-Tage geknüpft werden“, sieht Linkens die bisherige Entwicklung jedoch keineswegs als abgeschlossen an. „Zu dem aktuell Erreichten, kann ich sagen, dass ich mit den Ergebnissen sehr zufrieden bin. Etwa 180 Unternehmen mit über 4000 Arbeitsplätzen ist ein toller Zwischenstand. Mitte der 198oer Jahre hätte daran keiner gedacht, zumal man in den 197oer Jahren noch glaubte, man könne sich auf die Eigenschaft als Wohn- und Schlafstadt konzentrieren. Wir haben eine absolut gesunde Mischung aus vielen kleinen und mittleren Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen. Wir haben keinen Monopolisten, der uns abhängig machen würde.

Das „its“ ist weiterhin sehr erfolgreich und hat viele Unternehmensgründungen ermöglicht. Wir haben private Investoren, die Hallen und Büros langfristig vermieten und damit auch die Existenzgründungen ermöglichen. Eine tolle Zwischenbilanz – der Ruf der Stadt Baesweiler als Standort für zukunftsweisende unternehmerischen Investitionen und Arbeitsplätze ist sehr gut. Das ist eine hervorragende Grundlage, um auf der Basis weiterzuarbeiten und die Anstrengungen fortzusetzen. Schön ist, dass viele Mitarbeiter unserer Unternehmen in Baesweiler wohnen oder aber auch wegen der guten Infrastruktur hier den Wohnsitz nehmen wollen.“


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